Schulische Qualitätsentwicklung
Die Sicherung und Entwicklung schulischer Qualität ist ein Schlüsselbereich der Bildungspolitik des Landes Rheinland-Pfalz. Ende der 90er Jahre legt die Landesregierung ein Rahmenkonzept für das Qualitätsmanagement an Schulen vor. Rheinland-Pfalz verfügt mittlerweile über ein ausdifferenziertes schulisches Qualitätsmanagementsystem, in dem die verantwortlichen Akteure von Ministerium, Schulaufsicht, AQS und Pädagogischem Landesinstitut erfolgreich zusammenarbeiten, um Schulen wirksam bei ihrer Weiterentwicklung zu unterstützen.
Die externe Evaluation ist Bestandteil einer umfassenden Strategie schulischer Qualitätsentwicklung, um Schulen Impulse zur nachhaltigen Verbesserung des Unterrichts und schulischer Prozesse zu liefern. Die externe Evaluation ist ein wichtiger Motor dieses Prozesses. Schulisches Qualitätsmanagement in Rheinland-Pfalz bedient sich einer Vielzahl unterschiedlicher aufeinander abgestimmter Elemente, die die Qualität von Unterricht und Schule weiterentwickeln.

Qualitätsprogrammarbeit
Seit 2000 sind alle Schulen verpflichtet, eigene Qualitätsprogramme zu entwickeln. Die Programme legen die Ziele und Maßnahmen zur Qualitätsverbesserung im Bereich der Unterrichtsentwicklung fest. Das Qualitätsprogramm ist ein verbindliches innerschulisches Arbeitsdokument und wird kontinuierlich umgesetzt und weiterentwickelt. Mit seiner Hilfe wird der schulische Entwicklungsprozess reflektiert und gesteuert.
Externe Evaluation
Der Blick von außen und standardisierte methodische Verfahren ermöglichen der externen Evaluation, wesentliche Aussagen zur Verbesserung schulischer Prozesse und zur Unterrichtsqualität zu treffen. Die Arbeitsgrundlage bildet der Orientierungsrahmen Schulqualität. Die externe Evaluation gibt den Schulen anhand empirisch gewonnener Daten eine Rückmeldung in Form eines schriftlichen Berichts. Die Ergebnisse bilden die Grundlage für die Zielvereinbarungen, die zwischen Schule und Schulaufsicht geschlossen werden. Mit ihrer Rückmeldung an die Schule setzt die externe Evaluation Impulse, um die Qualität von Unterricht und pädagogischen Prozessen kontinuierlich weiterzuentwickeln.
Interne Evaluation
Die interne Evaluation als wichtiges schulinternes Steuerungsinstrument ergänzt die externe Evaluation. Sie setzt an Schwerpunkten und Themen an, die für die jeweilige Schule von zentraler Bedeutung sind. Interne Evaluation wird von der Schule selbst initiiert. Viele Schulen haben sich bereits mit unterschiedlichen bewährten Verfahren auf den Weg gemacht. In Zukunft wird die interne Evaluation stärker mit der externen Evaluation verzahnt. Schulen können dann mit geringem Aufwand auf Instrumente zurückgreifen und sie entlang ihrer konkreten Bedürfnisse modifizieren und ergänzen. Die AQS liefert hierzu die notwendige Unterstützung.
Zielvereinbarungen
Das rheinland-pfälzische Schulgesetz verpflichtet die Schule, auf der Basis der Evaluationserkenntnisse verbindliche Zielvereinbarungen mit der Schulaufsicht zu schließen. Die Zielvereinbarung markiert die Entwicklungsfelder, die im Evaluationsbericht und im Orientierungsrahmen Schulqualität beschrieben sind. Die Einführung von Zielvereinbarungen stellt ein wichtiges Steuerungsinstrument schulischer Qualitätsentwicklung dar. An die Stelle detaillierter Vorgaben treten vereinbarte Ziele und Indikatoren. Für die Entwicklung konkreter Maßnahmen, ihre Umsetzung und Weiterentwicklung ist jede Schule selbst verantwortlich. Dieser Entwicklungsprozess wird regelmäßig überprüft und fortgeschrieben.
Schulübergreifende Analysen, Monitoring
Das rheinland-pfälzische Schulgesetz verpflichtet die AQS, regelmäßig schulübergreifende Analysen zu zentralen Elementen schulischer Qualität vorzulegen. Die Ergebnisse der Schulevaluation werden durch die AQS systematisch in übergreifenden Auswertungen zusammengefasst und den bildungspolitischen Akteuren zur Verfügung gestellt. Die regelmäßige Berichterstattung bildet ein wichtiges Steuerungselement, um Grundlagen für strategische und langfristige Schulentwicklungsmaßnahmen zu planen und umzusetzen. Eine erste schulübergreifende Auswertung erfolgte im Jahr 2009 im Rahmen des AQS-Reports.
Umsetzung der Bildungsstandards
Mit der Entwicklung und Einführung länderübergreifender Bildungsstandards haben die Länder nicht nur die Grundlage für eine wirksame Qualitätssicherung im Bildungsbereich, sondern auch für die Entwicklung eines an Kompetenzen orientierten Unterrichts gelegt. Bildungsstandards definieren verbindliche Zielvorgaben für die pädagogische Arbeit und beschreiben, welche fachbezogenen Kompetenzen Schülerinnen und Schüler zu einem gewissen Zeitpunkt erreicht haben sollen. Dadurch entsteht ein einheitlicher, bundesweit gültiger Referenzrahmen für den kompetenzorientierten Unterricht. Er lässt sich in Aufgaben umsetzen bzw. durch Aufgabenbeispiele veranschaulichen. Alle Länder haben sich verpflichtet, die Bildungsstandards als Grundlage für fachbezogene Anforderungen in ihren Schulen zu übernehmen. In Rheinland-Pfalz wurden „Erwartungshorizonte“ zur leichteren Umsetzung der Standards für den Mittleren Schulabschluss formuliert. Auf der Grundlage der Bildungsstandards und unter Zuhilfenahme der Erwartungshorizonte und Lehr- bzw. Rahmenpläne erarbeiten Schulen ihre schuleigenen Arbeitspläne. Für die Überprüfung der Einhaltung der Bildungsstandards ist das eigens zu diesem Zweck gegründete Institut für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) mit Sitz in Berlin zuständig.
Vergleichs- und Parallelarbeiten –VERA
Das Projekt VERA ist eine flächendeckende Lernstandserhebung, an der verschiedene Bundesländer teilnehmen. Rheinland-Pfalz beteiligt sich an der Durchführung der Vergleichsarbeiten in den Fächern, Deutsch, Mathematik und Erste Fremdsprache (Englisch oder Französisch) in der Primarstufe (VERA 3) und in der Sekundarstufe I (VERA 8).
Vergleichsarbeiten liefern den Schulen empirisch gesicherte Daten zu Stärken und Schwächen der Lernenden, zum Verhältnis der Klassen einer Jahrgangsstufe untereinander und zum Stand der Schule im Verhältnis zu einem gewichteten Landeswert. Diese Datenrückmeldung ist Grundlage für die stetige Verbesserung des Unterrichts wie auch der diagnostischen Kompetenzen der Lehrpersonen.
Unterstützungsangebote der pädagogischen Serviceeinrichtungen
Die pädagogischen Serviceeinrichtungen in Rheinland-Pfalz haben sich verpflichtet, sinnvolle Angebote für Schulen zu entwickeln und bedarfsgerecht zur Verfügung zu stellen. Diese orientieren sich an den Qualitätsbereichen des Orientierungsrahmens Schulqualität. Die Arbeit mit empirischen Daten, die Formulierung von verbindlichen Zielen und anderer Fragen schulischer Qualitätsentwicklung sind für viele Schulen eine Herausforderung.
Aus den Zielvereinbarungen ergeben sich oft Handlungsbedarfe hinsichtlich der individuellen Förderung, der Unterrichtsentwicklung oder der Schulentwicklung. Hierfür benötigen Schulen qualifizierte und individuelle Unterstützung, für die das Pädagogische Landesinstitut über sein pädagogisches Beratungssystem eine Vielzahl von Angeboten bereit hält.