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Agentur für Qualitätssicherung, Evaluation und Selbstständigkeit von Schulen
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"Die Eltern sind froh, dass es die AQS gibt."



Interview mit dem Landeselternsprecher, Herrn Rudolf Merod

Die AQS hat bereits seit Aufnahme ihrer Tätigkeit im Jahr 2005 immer wieder großen Wert auf die intensive Einbindung der Elternschaft bei der Ausgestaltung und tatsächlichen Umsetzung ihrer Evaluationsarbeit gelegt. Die besondere Relevanz der Einbindung der Eltern basiert auf der Erkenntnis, dass gerade die Eltern der rheinland-pfälzischen Schülerinnen und Schüler eine eigene bedeutende Perspektive auf die schulischen Abläufe an den Schulen vor Ort haben.
Aus diesem Grund war es der AQS – neben dem ohnehin stattfindenden kontinuierlichen Austausch mit dem Landeselternbeirat – im Vorfeld auf die im Jahr 2012 anstehende zweite Evaluationsrunde ein großes Anliegen, die Einschätzung der Eltern bezüglich der ersten  Runde der externen Evaluation, zur AQS im Allgemeinen und zu den künftigen Herausforderungen der schulischen Qualitätsarbeit in Rheinland-Pfalz zu befragen. Hierzu gab der Landeselternsprecher, Herr Merod, im Rahmen eines durch die AQS organisierten Expertenworkshops am 11. November 2011 in Bad Kreuznach bereitwillig Auskunft.

AQS: Welche Auswirkungen und Impulse hat die externe Evaluation auf die Eltern in Rheinland-Pfalz?

Merod: Seit vielen, vielen Jahren war es der Wunsch der Elternschaft, als Mittel der Qualitätsentwicklung an Schulen einen möglichst objektiven Blick auf die Systeme vor Ort zu werfen und mit empirisch gesicherten Daten ein möglichst klares Bild vom Ist-Zustand der jeweiligen Schule zu bekommen, um dann – möglichst gemeinsam mit allen Beteiligten, also Schulleitung, Lehrkräfte, Schülervertretung und Elternvertretung – zur Qualitätssteigerung notwendige Schritte zu entwickeln. Aus Sicht des Landeselternbeirats ist besonders lobenswert der AQS-Zwischenbericht zu nennen, der ein wichtiges Grundlagenpapier für die interne Diskussion um Qualitätsstandards im Unterricht darstellt.

AQS: Welche Veränderungen in Ihrem Aufgabenbereich hat die externe Evaluation bewirkt?

Merod: Aufgrund der AQS-Arbeit haben wir belastbare Zahlen und können nachvollziehen, in welchen Bereichen Entwicklungsfelder vermehrt auftreten. Das subjektiv wahrgenommene „Bauchgefühl“ ist durch belastbare Zahlen bestätigt worden. Auch wurden ehemals „tabuisierte“ Zustände vor Ort offengelegt und konnten oftmals sehr schnell verbessert werden.
Durch die Auswertung der Felder, in denen die Zielvereinbarungen mit der ADD abgeschlossen wurden, kann man leichter erkennen, wo und wie sich die Schullandschaft verändert und wo es noch gilt, harte Brocken zu knacken (z.B. Schulleitungskompetenzen, Lehrerfortbildungen, Budgetierungen).

AQS: Welche zukünftigen Herausforderungen sehen Sie im Hinblick auf die Unterstützung der Schulen?

Merod: Die AQS hat sich nach der Eingangsphase durch eine immer größer werdende Akzeptanz für die erbrachte Arbeit in den Schulen inzwischen einen Ruf verschafft, der darin mündet, dass man von der AQS inzwischen mehr erwartet als nur einen Ergebnisbericht. So müssen die Schulen in die Lage versetzt werden, die Evaluationsberichte noch effektiver zu nutzen, um damit noch intensiver und ernsthafter arbeiten zu können. Insbesondere sollte die Lesekompetenz der Schulen im Zusammenhang mit den Evaluationsberichten weiter gefördert werden, da nur so das übergeordnete Ziel, die schulische Qualität dauerhaft zu sichern und voranzutreiben, erreicht werden kann. Auch gerade in der beratenden Tätigkeit für Schulen und Elternschaft sollte die zukünftige Arbeit ausgebaut werden, entweder dass Schulberater Teil des Teams werden oder eine AQS-Referentin bzw. ein AQS-Referent als Beraterin bzw. Berater dem Steuerungsteam bei der Zielentwicklung zur Seite steht.
Dringend sehen wir als Landeselternbeirat aber die Notwendigkeit, nach der externen Evaluation eine verbindliche und systematisierte interne Evaluation durchzuführen, die nicht nur die Zielvereinbarungen im Fokus hat, sondern auch schulintern die übrigen Felder beleuchtet. Hier könnte die AQS als Support durch ihr Know-how den Schulen wertvolle Dienste leisten.

AQS: Welche weiteren Anregungen möchten Sie dem AQS-Team geben?

Merod: Die Eltern sind froh, dass es die AQS gibt. Die AQS sollte neben der allgemeinen Evaluation auch gezielte Evaluationswünsche von Schulen erfüllen können und bei der Aufbereitung der Ergebnisse z.B. an Studientagen (bei denen möglichst auch Eltern sowie Schülerinnen und Schüler beteiligt sind) als Beratung wieder mit dabei sein.

 

„Die AQS-Evaluation hat uns bestärkt und klare Wege aufgezeigt“



Gerhard Leisenheimer, Leiter der Realschule plus in Ransbach-Baumbach

Interview mit Gerhard Leisenheimer, Leiter der Realschule plus Ransbach-Baumbach, eine der Siegerschulen im Bundeswettbewerb „Deutschlands beste Schulen“

Im regelmäßigen Turnus von zwei Jahren kürt die Jury des bundesweiten Wettbewerbs „Starke Schule. Deutschlands beste Schulen, die zur Ausbildungsreife führen“ Schulen, an denen sich nach Worten von Bundespräsident Christian Wulff Lehrerinnen und Lehrer gemeinsam mit Partnern innerhalb und außerhalb der Schule in besonderer Weise für ihre Schülerinnen und Schüler stark machen und an welchen die Schülerinnen und Schüler für ihren beruflichen und persönlichen Lebensweg fit gemacht werden.

Als eine von drei Siegerschulen 2011 wurde am 11. Mai 2011 auch die Realschule plus Ransbach-Baumbach bei einer feierlichen Veranstaltung in Schloss Bellevue in Berlin ausgezeichnet. Die Glückwünsche der AQS, welche die Schule bereits im 1. Schulhalbjahr 2009/2010 im Rahmen der externen Evaluation besuchte, konnte der schulische Referent der AQS Friedhelm Zöllner dem Schulleiter Gerhard Leisenheimer in einem kürzlich geführten Interview persönlich überbringen.

Zöllner: Herr Leisenheimer, erst einmal herzlichen Glückwunsch. Als Ihre Schule einen Spitzenpreis beim bundesweiten Wettbewerb „Starke Schule. Deutschlands beste Schulen, die zur Ausbildungsreife führen" gemacht hat, habe ich natürlich direkt an meine AQS-Evaluation bei Ihnen gedacht - und ein wenig gehofft, dass wir Ihnen mit unserem Bericht noch ein paar wichtige Anregungen gegeben haben zur Erreichung dieser Auszeichnung.

Leisenheimer:  Da sind Ihre Hoffnungen nicht ganz unberechtigt, denn Ihre AQS-Evaluation war für unsere Schule ein wichtiger Schritt, sich diesem qualitativ herausfordernden Wettbewerb zu stellen. Über die AQS-Evaluation haben wir so etwas wie einen Probelauf erfahren. Der Besuch der Landes- und Bundesjury in unserer Schule hatte nämlich einen ähnlichen Charakter und Verlauf, d.h. wir öffneten alle Unterrichtstüren (jeweils 20 - 25 Minuten), stellten Daten in schriftlicher Form zur Verfügung und verschiedene schulische Gremien und Funktionsträger stellten sich den Fragen der Jury - genau wie bei der AQS. Der anschließende Bericht der AQS – der unsere Stärken deutlich herausstellte und Qualifizierungsbereiche aufzeigte – war dann auch eine Basis für das, was wir in den geforderten Präsentationen des Wettbewerbs auf Landes - und Bundesebene beachten konnten. Die AQS-Evaluation hat uns – abschließend betrachtet – bestärkt und klare Wege aufgezeigt, die wir auch in der kommenden Phase der Öffnung der Preisträgerschulen für die breite pädagogische Öffentlichkeit berücksichtigen können.



Zöllner: Herr Leisenheimer, wie kommt man dazu, einen so wertvollen Preis zu bekommen?

Leisenheimer: In den letzten Jahren haben wir unsere Türen für Schulen verschiedener Bundesländer weit geöffnet, sei es für Unterrichtshospitationen, Gespräche o.ä. Das Feedback war meistens ausgesprochen positiv. Dennoch blieben bei uns Lehrern und auch unseren Schülern gewisse Zweifel, ob dies Höflichkeitsfeedbacks waren oder alles tatsächlich den Beobachtungsergebnissen entsprach, denn der pädagogische Alltag hat auch bei uns seinen Stammplatz. Ausgehend von dieser Unsicherheit kamen zunehmend mehr der Wunsch und auch das Bedürfnis der Beurteilung durch außerschulische Experten auf. Neben der AQS sind dies vor allem die Wettbewerbe, an denen Schulen teilnehmen können. Wir hatten zwar schon an vielen Wettbewerben teilgenommen und auch hervorragende Platzierungen erreicht. Im Wettbewerb „Starke Schule“ geht es aber nicht um einzelne Projekte, Klassen oder Ideen, sondern um die gesamte Konzeption der Schule. Das hat uns gereizt und das war auch der Impuls, sich den Anforderungen dieses Wettbewerbes zu stellen. Dies haben wir – d.h. viele Kolleginnen und Kollegen, auch die Schulsekretärin – getan und zwar fast ein ganzes Jahr lang. Für die Platzierung auf Landesebene und auf Bundesebene waren jeweils unterschiedliche Jurymitglieder bei uns, die unsere schriftliche Bewerbung konkret vor Ort im Unterricht überprüften. Die vorgelegte und konkret umgesetzte Gesamtkonzeption hat die Jury auf beiden Ebenen so überzeugt, dass die bekannten Platzierungen die Folge waren.

Zöllner: Wie war die Reaktion in der Schulgemeinde?

Leisenheimer: Die Reaktionen unserer Schulgemeinde könnte man durchaus als einen sehr unterschiedlich ablaufenden Prozess beschreiben. Zunächst überwogen Unsicherheit und Zweifel. Warum sollten wir ausgerechnet diese Platzierung erreichen, vor allem aber waren wir stets der Ansicht, dass im gefühlten Vergleich viele Schulen weit über uns stehen. Erst nach und nach wurde uns der Wert dieses dritten Platzes auf Bundesebene bewusst. Jetzt folgten Freude, auch Stolz und das tiefe Gefühl der Anerkennung unserer langjährigen pädagogischen Arbeit durch qualifizierte Experten. Eltern, Schüler und Lehrer beglückwünschten sich gegenseitig, aber wir bleiben auf dem Boden und wissen sehr genau, welche Verantwortung dieser Preis impliziert.

Zöllner: Worauf führen Sie es zurück, dass man in Ransbach-Baumbach über viele Jahre ein solch Richtung weisendes Modell von Schulentwicklung erreichen konnte?

Leisenheimer: Grundsätzliche Impulse durch die Gesamtkonferenz, Erkenntnisse durch Fortbildungen, Anstöße der Schulleitung usw. können Auslöser für unsere Schulentwicklungsprozesse sein. In erster Linie führe ich unseren Weg aber auf unsere seit Jahren praktizierte kollegiale Arbeitsweise und die daraus resultierende Vorgehensweise zurück. Wir arbeiten, lernen, entwickeln, evaluieren und qualifizieren uns in erster Linie in unseren Teams. Die Klassenlehrer einer Klassenstufe bilden jeweils das Kernteam und alle reinen Fachlehrer ordnen sich einem Team zu. Diese Teams haben eine große pädagogische Freiheit verbunden mit der entsprechenden pädagogischen Verantwortung. Diese Teams treiben unsere Schulentwicklung voran. Prozesse werden in den Teams angedacht und erst auf der Teamebene konkretisiert. Erst wenn diese Prozesse Erfolg versprechen, werden andere Teams neugierig gemacht und  in den – durchaus auch laufenden – Prozess eingebunden. Dies ist der bisher recht erfolgreiche Weg unserer Schulentwicklungsteams denken neu nach, probieren aus, stellen fest, revidieren den Verlauf und geben ihre Erfahrungen an andere Teams weiter. Ein- bis zweimal im Jahr haben dann alle Teams die Möglichkeit, ihren aktuellen Stand zu einer bestimmten Problematik den anderen Teams vorzustellen, z.B. zum Thema "Umgang mit Heterogenität", Kompetenzstufen, Lernkompetenztraining usw., was wiederum neues Denken und Handeln provozieren kann.

Zöllner: Herr Leisenheimer, welche Rolle spielt die Nachhaltigkeit in Ihrer Schulentwicklungsarbeit?

Leisenheimer: Sich dem Prinzip der Nachhaltigkeit zu verpflichten ist keine einfache Aufgabe, da man in der Schule durchaus der Gefahr unterliegt, jeden Tag eine neue Denkrichtung berücksichtigen oder eine scheinbar neue Erkenntnis umsetzen zu müssen. Wir versuchen Unterricht in den Mittelpunkt all´ unserer pädagogischen Arbeitsweisen zu stellen. Dabei orientieren wir uns an unserem pädagogischen Grundprinzip "SyLT", dem systematischen Lernkompetenztraining. SyLT und unsere kollegiale Teamstruktur bilden die Basis aller Prozesse, und zwar insofern, als in den Teams die Nachhaltigkeit unserer unterrichtlichen, pädagogischen und organisatorischen Maßnahmen, Vorhaben und Impulse daraufhin überprüft werden. Dadurch entsteht ein Kreislauf, der bei der genannten Basis seinen Ursprung hat, hinsichtlich der Nachhaltigkeit überprüft und für gut befunden oder auch verworfen wird. "Wege entstehen beim Gehen" ist unser pädagogisches Motto. Um in einem assoziativen Bild zu bleiben: Wir haben nur dann Erfolg, wenn wir "falsche" Wege erkennen, bewährte ausbauen und den Mut haben, neue zu gehen (zu entdecken). Unsere Wege haben aber nur dann Sinn, wenn unsere Schüler und wir als Lehrer zu gesteckten Zielen gemeinsam gelangen und der Weg im positiven Sinne Spuren hinterlässt.

Zöllner: Welche Rolle spielen Lehrer, Schüler, Eltern, Schulträger und Schulaufsicht bei Ihrer Schulentwicklung?

Leisenheimer: Das pädagogische Motto unserer EKS habe ich bereits erwähnt. Implizit ist damit der Teamgedanke gemeint, d.h. unsere Schule kann sich nur dann weiter entwickeln, wenn alle an unserer Schule Beteiligten eingebunden werden und gemeinsam mit uns Wege gehen. Dabei kann jeder seine ganz speziellen Möglichkeiten einbringen und eben nicht nur die formal erforderlichen. So können wir mit einem gewissen Stolz sagen, dass z.B. der Schulträger in Konferenzen beteiligt ist und seine Aufgabe nicht nur in der materiellen Ausstattung seiner Schule sieht, sondern auch in der ideellen Begleitung. Auch Eltern sind nicht nur formale Teilnehmer von Gremien, sondern in unser Schulleben z.B. innerhalb der GTS eingebunden. Die Schulaufsicht unterstützt durch organisatorische und auch anerkennende Art und Weise. Unsere Schüler sind der ganz besondere Part unserer Partizipation. Im Klassenrat und im Schülerparlament lernen sie z.B. die Bedeutung und Notwendigkeit von Verantwortung kennen und zeigen diese in ihren Aktionen und Anträgen. Besondere Bedeutung hat das Kollegium, da von hier aus die meisten Impulse für unsere Schulentwicklung ausgehen bzw. in den Teams ihren Ursprung haben. Die Teams sind die eigentlichen Bausteine unserer Schulentwicklung.

Zöllner: Welchen kollegialen Rat können Sie anderen Schulleitungen für deren Schulentwicklungsarbeit geben?

Leisenheimer: Anderen Schulleitungen einen kollegialen Rat zu geben, hat einen gewissen Touch von Besserwisserei, den ich auf jeden Fall vermeiden möchte. Hinzu kommt, dass ich die konkreten und besonderen Bedingungen vor Ort nicht kenne. Dennoch kann es für die Schulentwicklung vielleicht sehr hilfreich sein, eine kollegiale Teamstruktur aufzubauen, eine ganz hohe Transparenz an den pädagogischen Tag zu legen, der Schülerpartizipation einen hohen Stellenwert einzuräumen und den Mut zu haben, einfach neue Wege zu gehen. Es muss nicht alles gleich 100% sein, Schulentwicklung impliziert Fehler, aber sie braucht den Mut, Stillstand zu vermeiden, sich z.B. Wettbewerben zu stellen und paragrafenorientierte Routine gelegentlich über Bord zu werfen.